Auf einen Blick
- GLP-1 (Glucagon-like Peptide-1) ist kein Medikament, sondern ein Hormon, das dein Darm nach dem Essen ausschüttet. Es reguliert den Blutzucker, dämpft den Appetit und verlangsamt die Magenentleerung.
- GLP-1-Medikamente ahmen dieses Hormon nach und wirken länger als das körpereigene GLP-1. Ärztlich verordnet werden sie bei Typ-2-Diabetes sowie zur Unterstützung der Gewichtsreduktion bei Übergewicht und Adipositas.
- Auf natürlichem Weg lässt sich GLP-1 nur begrenzt beeinflussen, am ehesten über Protein. Bei Typ-2-Diabetes oder Adipositas kann ein ärztliches Gespräch sinnvoll sein. Das Juniper Programm bietet dazu medizinische Begleitung.
Wer nach neuen Wegen zum Abnehmen sucht, ist mit Sicherheit schon einmal über GLP-1-Medikamente gestolpert. Kaum ein Gesundheitsthema hat in den letzten Jahren für so viel Gesprächsstoff gesorgt – ob in den sozialen Medien, im Freundeskreis oder beim Arztbesuch. Für viele ist jedoch noch ein Rätsel, was GLP-1 eigentlich genau ist und wie es beim Abnehmen helfen kann.
Dabei lohnt sich ein genauerer Blick: GLP-1 ist nämlich nicht der Name eines Medikaments, sondern in erster Linie ein Hormon, das dein Körper ohnehin produziert, lange bevor du jemals über eine Abnehmspritze oder Abnehmpille nachdenkst. Um zu verstehen, wie GLP-1-Medikamente wirken, hilft es deshalb, erst einmal zu verstehen, was das Hormon von Natur aus in deinem Körper bewirkt. Genau das wollen wir uns jetzt etwas genauer ansehen.
Was ist GLP-1?
Die Abkürzung GLP-1 wirkt vielleicht erst einmal abschreckend. Es klingt nach Chemie, nach dem Etikett einer Tablettenverpackung, vielleicht sogar nach etwas Körperfremdem. Dabei ist GLP-1 sehr viel natürlicher als manche denken und steckt längst in dir, ganz ohne Verschreibung.
GLP-1 steht für Glucagon-like Peptide-1 (also glucagon-ähnliches Peptid-1) und ist ein Hormon, das ganz natürlich in unserem Körper vorkommt. Es wird im Darm produziert und ist ein sogenanntes Inkretin – das sind Hormone, die nach dem Essen ausgeschüttet werden.[1,2] Bestimmte Medikamente machen sich die Wirkung von GLP-1 zunutze, indem sie sie nachahmen oder verstärken. Dazu gehören auch Abnehmmedikamente.
Schauen wir uns als Nächstes also einmal an, wie genau GLP-1 in unserem Körper wirkt.
Wie wirkt GLP-1 im Körper?
GLP-1 wirkt gleich mehrfach in unserem Körper.
- Echt stabil: Das Darmhormon GLP-1 spielt eine wichtige Rolle bei der Verstoffwechslung von Zucker (Glucose). Nach dem Essen regt es die Freisetzung von Insulin an und hilft so dabei, den Blutzuckerspiegel zu regulieren.[1,3] Gleichzeitig hemmt GLP-1 die Ausschüttung von Glucagon, einem Hormon, das den Blutzuckerspiegel eigentlich erhöhen würde. Beide Effekte zusammen sorgen dafür, dass der Blutzucker nach dem Essen stabil bleibt.[1,4]
- Satt und zufrieden: GLP-1 hilft auch dabei, deinen Appetit zu regulieren – deshalb wird es auch nach dem Essen ausgeschüttet. Damit signalisiert uns nämlich unser Körper: Genug gegessen, jetzt wird erst einmal verdaut. Wie das funktioniert? Das Hormon steuert einen Bereich im Hirnstamm an, der den Appetit reguliert.[1] Das Ergebnis: Dein Hunger verschwindet und es dauert ein Weilchen, bis dein Magen sich wieder meldet.
- Entspannt verdaut: GLP-1 reguliert nicht nur deinen Appetit, sondern sorgt gleichzeitig auch noch dafür, dass Essen länger in deinem Magen verbleibt. Durch die entschleunigte Magenentleerung bleibst du länger satt – ein Effekt, den sich auch Abnehmmedikamente zunutze machen.[1,3]
GLP-1-Medikamente: Was sind GLP-1-Analoga?
GLP-1 kommt in vielen verschreibungspflichtigen Medikamenten in künstlicher Form zur Anwendung. Man spricht dabei auch von sogenannten GLP-1-Rezeptoragonisten oder auch GLP-1-Analoga. Vielleicht hast du schon mal von Liraglutid oder Semaglutid gehört – diese beiden Arzneimittel gehören zum Beispiel dazu.
GLP-1-Rezeptoragonisten funktionieren genauso wie das natürlich vorkommende Darmhormon, mit einem kleinen, aber feinen Unterschied: Sie haben eine verlängerte Halbwertzeit.[3] Das bedeutet, dass sie deutlich länger wirken als das natürlich vorkommende GLP-1, wodurch sie in verschiedenen Anwendungsbereichen zum Einsatz kommen.
GLP-1-Rezeptoragonisten gegen Typ-2-Diabetes
Bei Typ-2-Diabetes kann Insulin, das für einen stabilen Blutzuckerspiegel benötigt wird, nicht richtig wirken. In diesem Fall spricht man von einer Insulinresistenz. Die Bauchspeicheldrüse versucht dann, den Insulinmangel auszugleichen, schafft das jedoch nur über einen kurzen Zeitraum. Dadurch steigt der Blutzuckerspiegel stark an. Die möglichen Folgen: Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Sehstörungen oder eine verminderte Wahrnehmung von Schmerzen.[5]
Hier kommen die GLP-1-Rezeptoragonisten in sogenannten Antidiabetika ins Spiel. Der Grund dafür liegt auf der Hand: GLP-1-Rezeptoragonisten binden sich an den GLP-1-Rezeptor und stimulieren so die Insulinfreisetzung. Gleichzeitig sorgen sie dafür, dass der Blutzuckerspiegel durch Glucagon nicht in die Höhe getrieben wird. In Kombination mit der verlängerten Wirkungszeit führt das dazu, dass der Blutzuckerspiegel über einen längeren Zeitraum stabil bleibt.[3]
Zusätzlich dazu senken GLP-1-Rezeptoragonisten das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen.[6]
GLP-1-Rezeptoragonisten gegen Übergewicht und Adipositas
Übergewicht und Adipositas sind in Deutschland längst keine Seltenheit mehr: Etwa 46,6 % der Frauen und 60,5 % der Männer sind davon betroffen, und auch immer mehr Kinder gelten als übergewichtig oder adipös.[7]
Aber was bedeutet Übergewicht eigentlich? Ab einem Body Mass Index (BMI) von 25 spricht man von Übergewicht, bei einem BMI von mindestens 30 von Adipositas.[8] Lange Zeit ließen sich die Erkrankungen nur durch Operationen (zum Beispiel einem Magenbypass) wirkungsvoll behandeln. GLP-1-Rezeptoragonisten haben sich in verschiedenen Studien bei der Unterstützung der Gewichtsreduktion als wirksam erwiesen.[6] In einer großen Studie zum Wirkstoff Semaglutid konnten Teilnehmende nach 68 Wochen im Schnitt 14,9 % ihres Ausgangsgewichts verlieren – im Vergleich zu 2,4 % in der Placebo-Gruppe.[9]
Nicht zuletzt deswegen nimmt das Interesse an sogenannten Abnehmmedikamenten in den letzten Jahren immer weiter zu.
GLP-1-Rezeptoragonisten zur Unterstützung der Gewichtsreduktion gibt es sowohl als Abnehmspritzen (z. B. Saxenda® oder Wegovy®) als auch als Abnehmpille. Beide wirken gleich, wenn auch in unterschiedlicher Dosierung: Sie verlangsamen die Magenentleerung und steuern gezielt Areale im Gehirn an, die für die Appetitregulierung zuständig sind.[1,3] In Kombination mit einer gesunden Ernährung und regelmäßigem Sport kann so langfristig eine deutliche Gewichtsreduktion erzielt werden.[6]
Lässt sich GLP-1 auf natürlichem Weg beeinflussen?
Da GLP-1 auf natürliche Weise in unserem Körper vorkommt, liegt die Frage nahe, ob sich die Ausschüttung des Hormons auch ohne Medikamente beeinflussen lässt. Die Forschung dazu steckt noch in den Kinderschuhen, aber es gibt bereits einige vorsichtige Ergebnisse.
Die Rolle von Ballaststoffen
Mit Ballaststoffen kannst du der GLP-1-Freisetzung ein wenig auf die Sprünge helfen. Es gibt jedoch einige Einschränkungen.
- Polydextrose, ein künstlich hergestellter Ballaststoff, kann zwar die Freisetzung von GLP-1 begünstigen und auch das Sättigungsgefühl verstärken – als natürliche Ernährungsstrategie eignet er sich aber kaum, da er vor allem in stark verarbeiteten Lebensmitteln vorkommt.[10]
- Mannane (z. B. Konjak) können dabei helfen, GLP-1 auf natürlichem Wege freizusetzen, wirken sich allerdings nicht auf das Sättigungsgefühl aus.[10]
- Hafer enthält ebenfalls Ballaststoffe – die machen vor allem satt, haben aber keine nennenswerte Wirkung auf die GLP-1-Freisetzung.[10]
Kurz gesagt: Den einen Ballaststoff, der zuverlässig GLP-1 und dein Sättigungsgefühl steigert, gibt es nicht. Viel öfter heißt es: Entweder-oder.
Die Rolle von Protein
Proteine sind um einiges vielversprechender als Ballaststoffe, wenn du auf natürlichem Wege etwas für die GLP-1-Freisetzung und dein Sättigungsgefühl tun möchtest.
Grundsätzlich gilt: Egal welche Art von Eiweiß du zu dir nimmst, es ist praktisch immer ein GLP-1-Anstieg feststellbar. Besonders Molkenprotein (Whey) sticht hervor und zeigt über die ersten 90 Minuten den deutlichsten Effekt. Wenn du dein Eiweiß dann noch in flüssiger Form einnimmst, kannst du die GLP-1-Freisetzung noch weiter begünstigen.[11]
Wann du mit einer ärztlichen Fachkraft sprechen solltest
Wenn du Typ-2-Diabetes hast und trotz bisheriger Behandlung, etwa durch eine Ernährungsumstellung, Bewegung oder andere Medikamente wie Metformin keine große Veränderung spürst, kann ein Gespräch mit einer ärztlichen Fachkraft über GLP-1-Medikamente sinnvoll sein. Sie kann einschätzen, ob sie für dich als zusätzliche oder alternative Therapie infrage kommen.
Auch bei Übergewicht und Adipositas kann ein ärztliches Gespräch sinnvoll sein – vor allem dann, wenn du das Gefühl hast, schon alles versucht zu haben, und sich trotz Bewegung und gesunder Diät keine Gewichtsabnahme einstellt.
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GLP-1 muss kein Buch mit sieben Siegeln sein. Mit dem richtigen Wissen fällt es dir leichter, eine informierte Entscheidung zu treffen. Und der nächste Schritt? Der liegt ganz bei dir.
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