Auf einen Blick
- Zu den häufigsten Langzeitnebenwirkungen von Mounjaro zählen Magen-Darm-Beschwerden, die jedoch mit der Zeit meist nachlassen. Ernstere Nebenwirkungen sind möglich, jedoch eher selten.
- Allerdings ist es gerade bei langfristiger Anwendung wichtig, einem Abbau der Muskelmasse vorzubeugen.
- Eine professionelle ärztliche Überwachung des Behandlungsverlaufs ist auch bei Mounjaro sehr wichtig. Das Juniper-Programm ist für dich da und verbindet Bewegung und Ernährung mit zuverlässiger medizinischer Unterstützung.
Falls auch du zu den Frauen gehörst, die Mounjaro von Eli Lilly zur Gewichtsreduktion oder zur Behandlung von Typ-2-Diabetes anwenden, fragst du dich vielleicht, welche Langzeitfolgen das Medikament haben kann. In diesem Artikel zeigen wir dir, was zu den Mounjaro-Langzeitfolgen aktuell bekannt ist, woran derzeit noch geforscht wird und worauf du bei der Anwendung generell achten solltest.
Langzeiteffekte, die sich in Studien bisher gezeigt haben
Ein bekannter Langzeiteffekt zeigt sich vor allem nach dem Absetzen der "Abnehmspritze": die Gewichtszunahme. Denn der Appetit kehrt zurück, sobald Tirzepatid abgebaut ist. Das schlägt sich in den meisten Fällen auch aufs Gewicht nieder.
So nahmen Teilnehmende der SURMOUNT-4-Studie, die nach 36 Wochen auf Placebo wechselten, im weiteren Verlauf durchschnittlich 14 Prozent des zuvor verlorenen Gewichts wieder zu, während die Gruppe mit fortgesetzter Behandlung noch einmal knapp 7 Prozent abnahm. Ein Muster, das umgangssprachlich als Jo-Jo-Effekt bekannt ist. [1]
Bei fortgesetzter Anwendung zeigt sich dagegen eine gute Verträglichkeit: Die bislang längste Studie zu Tirzepatid begleitete Patientinnen über 176 Wochen, also gut drei Jahre. Die häufigsten Nebenwirkungen betrafen den Magen-Darm-Trakt, waren meist mild bis moderat und nahmen im Verlauf eher ab. Neue Sicherheitsrisiken traten in diesem Zusammenhang nicht auf. [2]
Wie lange wird Mounjaro schon untersucht?
Der Wirkstoff von Mounjaro, Tirzepatid, wird bereits seit 2018 in klinischen Studien getestet. In Europa erfolgte die Zulassung für Typ-2-Diabetes im September 2022, die Erweiterung auf das Gewichtsmanagement folgte im Dezember 2023. [3] Insgesamt liegen mittlerweile also rund acht Jahre Forschung vor, wobei die längste durchgehende Studie mit Teilnehmenden einen Zeitraum von drei Jahren umfasst.
Mögliche langfristige Nebenwirkungen und offene Fragen
Die meisten Nebenwirkungen von Mounjaro treten bereits zu Beginn der Behandlung auf, gerade während der Dosissteigerung. Es gibt aber auch einige unerwünschte Effekte, die sich erst über einen längeren Zeitraum zeigen oder erst im Rahmen einer fortgeschrittenen Anwendung zum Tragen kommen. Diese solltest du besonders im Blick behalten.
Verdauungssystem: die häufigsten Beschwerden
Wie auch bei anderen GLP-1-Agonisten wie Wegovy oder Ozempic ist der Magen-Darm-Trakt am häufigsten betroffen, auch über einen längeren Anwendungszeitraum hinweg. In der SURMOUNT-1-Studie berichteten je nach Dosis zwischen 25 und 33 Prozent der Teilnehmenden von Übelkeit, zwischen 19 und 23 Prozent von Durchfall und bis zu 6 Prozent von Erbrechen, verglichen mit deutlich niedrigeren Werten unter Placebo. [4] Die gute Nachricht dabei: Diese Beschwerden treten am häufigsten während der Dosissteigerung auf und lassen mit der Zeit spürbar nach.
Achtung: Anhaltende Verdauungsbeschwerden wie Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen können zu einem Flüssigkeitsmangel führen, der wiederum die Nierenfunktion und den Elektrolythaushalt belasten kann. Ausreichend zu trinken ist daher während der gesamten Mounjaro-Anwendung wichtig. Melde solche Nebenwirkungen bitte auch deiner Ärztin oder deinem Arzt. Das ist nicht nur für deine Gesundheit wichtig, sondern liefert auch wertvolle Informationen für deine weitere Behandlung.
Gallenblase und Bauchspeicheldrüse: wichtige, aber seltene Nebenwirkungen
Seltener, aber medizinisch noch wichtiger sind zwei weitere mögliche Nebenwirkungen, und zwar eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse sowie Erkrankungen der Gallenblase: Eine Entzündung der Bauchspeicheldrüse (Pankreatitis) gilt als bekannte, aber gelegentliche Nebenwirkung, die laut Fachinformation bis zu 1 von 100 Anwendern betreffen kann. [5]
Anhaltende, starke Bauch- oder Rückenschmerzen sind ein Warnzeichen, bei dem umgehend ärztliche Hilfe aufgesucht werden sollte.
Auch Gallenblasenerkrankungen wie Gallensteine kamen in der dreijährigen Langzeitstudie unter Tirzepatid etwas häufiger vor als unter Placebo. [2] Das hängt vermutlich nicht nur mit dem Wirkstoff der Abnehmspritze selbst zusammen, sondern auch mit der Gewichtsabnahme an sich, da schnelles Abnehmen allgemein das Risiko für Gallensteine erhöhen kann.
Muskelmasse bei längerfristiger Gewichtsabnahme
Eine Langzeitnebenwirkung von Mounjaro, die bei vielen Menschen häufig auftritt, ist der Verlust von Muskelmasse. Schließlich verliert man generell beim Abnehmen nicht nur Übergewicht, sondern auch Muskelmasse.
Eine Analyse der Körperzusammensetzung von SURMOUNT-1-Teilnehmenden mittels Röntgenabsorptiometrie (DXA) zeigte, dass sich der Gewichtsverlust unter Tirzepatid zu rund 75 Prozent aus Fettmasse und zu etwa 25 Prozent aus fettfreier Masse, darunter Muskulatur, zusammensetzte. [6]
Du kannst einiges dafür tun, deine Muskelmasse beim Abnehmen zu schonen. Eine ausreichende Proteinzufuhr ist dabei zentral: Als Richtwert gelten etwa 1,2 Gramm Protein pro Kilogramm Körpergewicht täglich. [8]
Gut zu wissen: Wichtig ist dabei auch die Proteinverteilung. Eine Studie zeigte in diesem Zusammenhang, dass eine gleichmäßige Aufteilung des Proteins auf mindestens drei Mahlzeiten die Muskelproteinsynthese über 24 Stunden um 25 Prozent steigerte, verglichen mit einer Verteilung, bei der der Großteil des Proteins nur in einer Mahlzeit steckte. [9]
Ergänzend empfiehlt die WHO mindestens zweimal pro Woche Krafttraining für alle wichtigen Muskelgruppen, um die Muskulatur zu erhalten und zu unterstützen. [10]
Was aktuell noch erforscht wird
Einige Fragen zu Mounjaro sind trotz der inzwischen mehrjährigen Studienlage noch nicht abschließend geklärt. Dazu gehören vor allem Erkenntnisse darüber, wie sich eine sehr langfristige Anwendung über die bisher untersuchten drei Jahre hinaus auf das Herz-Kreislauf-System und die allgemeine Sterblichkeit auswirkt.
Genau das untersucht aktuell die Studie SURMOUNT-MMO, während die Studie SURMOUNT-MAINTAIN weitere Daten zur langfristigen Gewichtserhaltung liefern soll. [7] Bis belastbare Ergebnisse aus diesen Studien vorliegen, bleibt die kontinuierliche ärztliche Begleitung während der Anwendung besonders wichtig.
Wie sieht die ärztliche Überwachung bei längerer Anwendung aus?
Mounjaro gehört zu den Arzneimitteln, die in Europa einer sogenannten zusätzlichen Überwachung unterliegen. Das bedeutet: Da der Wirkstoff Tirzepatid noch vergleichsweise neu zugelassen ist, sind Ärztinnen und Ärzte ausdrücklich dazu aufgerufen, jeden Verdachtsfall einer Nebenwirkung zu melden, damit sich ein möglichst vollständiges Sicherheitsbild ergibt. [11]
Für dich als Anwenderin bedeutet das vor allem, dass eine regelmäßige ärztliche Begleitung während der gesamten Behandlungsdauer sinnvoll ist, nicht nur zu Beginn.
In der Praxis sieht das meistens so aus: Zu Beginn der Behandlung, während der Dosissteigerung alle vier Wochen, finden Kontrollen üblicherweise engmaschiger statt, da in dieser Phase die meisten Nebenwirkungen auftreten. Ist die Zieldosis erreicht und wird gut vertragen, reichen anschließend meist größere Abstände zwischen den Terminen.
Typische Bestandteile solcher Kontrolltermine sind:
- Gewichts- und Verlaufskontrolle, um zu sehen, ob die Behandlung wie erwartet anschlägt oder ob Anpassungen der Dosierung sinnvoll sind
- Blutdruckmessung, da sich dein Blutdruck durch die Gewichtsabnahme verändern kann
- Laborkontrollen, unter anderem der Nierenwerte, insbesondere wenn stärkere Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen aufgetreten sind
- Blutzucker- beziehungsweise HbA1c-Kontrolle, vor allem bei Typ-2-Diabetes oder Prädiabetes, um die Stoffwechseleinstellung im Blick zu behalten
- Nachfragen zu möglichen Warnzeichen, etwa anhaltenden Bauchschmerzen als Hinweis auf die Bauchspeicheldrüse oder auf die Gallenblase
Auch die S3-Leitlinie zur Adipositas-Therapie empfiehlt, eine medikamentöse Behandlung grundsätzlich mit einer regelmäßigen ärztlichen Verlaufskontrolle zu verbinden, statt sie isoliert ohne Begleitung durchzuführen. [12]
Zwischen den Terminen gilt außerdem: Neue oder sich verschlechternde Symptome solltest du nicht erst beim nächsten Routinetermin ansprechen, sondern zeitnah melden. Höre hier bitte stets auf deinen Körper.
Wann solltest du mit deiner Ärztin oder deinem Arzt sprechen?
Auch wenn Mounjaro über die bisher untersuchten Zeiträume hinweg insgesamt gut verträglich ist, gibt es Situationen, in denen ein Gespräch mit deiner Ärztin oder deinem Arzt der richtige nächste Schritt ist, statt abzuwarten:
- Anhaltende, starke Bauch- oder Rückenschmerzen, die auf die Bauchspeicheldrüse oder Gallenblase hindeuten könnten
- Übelkeit, Durchfall oder Erbrechen, die über mehrere Tage anhalten oder sich verschlechtern
- Anzeichen einer Dehydrierung (Flüssigkeitsmangel), etwa starker Durst, Schwindel oder sehr dunkler Urin
- Fragen zu einer geplanten längerfristigen Anwendung über mehrere Jahre hinweg
- Der Wunsch, die Behandlung zu pausieren oder zu beenden
- Eine geplante Schwangerschaft
In all diesen Fällen kann deine Ärztin oder dein Arzt einschätzen, was in deiner individuellen Situation sinnvoll ist, sei es eine Anpassung der Dosis, weitere Untersuchungen oder einfach die Bestätigung, dass alles im normalen Rahmen verläuft.
Gut zu wissen: Im Juniper-Programm ist diese fortlaufende ärztliche Begleitung von Anfang an Teil des Konzepts. Ernährung, Bewegung und die medikamentöse Behandlung werden dort mit regelmäßiger medizinischer Betreuung kombiniert, sodass du gerade auch bei Fragen zur langfristigen Anwendung nicht auf dich allein gestellt bist.
Fazit: Mounjaro bei langfristiger Anwendung gut erforscht, aber ärztliche Begleitung bleibt wichtig
Über einen Zeitraum von bis zu drei Jahren zeigt sich Mounjaro insgesamt als gut verträglich: Die häufigsten Langzeitnebenwirkungen betreffen den Magen-Darm-Trakt und lassen mit der Zeit meist nach. Ernstere Nebenwirkungen wie eine Pankreatitis oder Gallenblasenprobleme sind möglich, aber deutlich seltener.
Unabhängig davon bleibt eine kontinuierliche ärztliche Begleitung während der gesamten Anwendungsdauer wichtig, nicht nur zu Beginn der Behandlung. Denn nur dann lassen sich Nebenwirkungen frühzeitig erkennen, die Dosis bei Bedarf anpassen und die Behandlung an deinen individuellen Verlauf anpassen.
Image credit: Pexels
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